Besorgniserregende Entwicklungen

Wien, 2.10.2014

Die jüngsten Entwicklungen im Zuge der Islamdebatte in Österreich, welche durch den zu verurteilenden IS-Terror ausgelöst worden sind, sind durchaus besorgniserregend und gefährden nicht zuletzt auch den sozialen Zusammenhalt und das friedliche Miteinander in Österreich.

Wie Gudrun Harrer bereits gesagt hat, scheint es so, als wäre die aktuelle Islamdebatte in das neue Islamgesetz eingesickert. Tatsächlich befinden sich darin undifferenzierte Richtlinien, die bewusst (oder unbewusst) die Vielfältigkeit der Religion ignorieren. Zudem bringt das neue Islamgesetz tiefgreifende Veränderungen, welche definitiv als Eingriff in den (privaten!) Glauben verbucht werden können.

"Völlig abgesehen von Absurditäten wie den Sprachverboten bei der Freitagspredigt und ähnlichen Diskriminierungen, lädt allein schon die Existenz solcher Spezialgesetze dazu ein, Religionsgemeinschaften zu diskriminieren."- Thomas Schmidinger

Integration geht Hand in Hand mit Aufklärung, sowohl der betreffenden Gruppe, als auch der Mehrheitsbevölkerung. Demnach muss also an beiden Enden angedockt werden, statt nur an einem Ende. Tatsächlich birgt das gezielte Hinarbeiten, auf nur eine der zwei Parteien, weitere Gefahren, die sich im schlimmsten Fall in Form von vermehrter Abgrenzung äußern können und in letzter Instanz dann auch zu Radikalisierung führen können. Schließlich haben wir bereits erlebt, wie sich junge Männer und Frauen, die sich nie als Teil der Gesellschaft akzeptiert gefühlt haben, abgegrenzt und radikalisiert haben.

Denn Radikalisierung auf Religionsebene zu bekämpfen ist schlicht und einfach falsch und führt nur zu weiterer Diskriminierung und Ausgrenzung.

 

Ziel sollte es sein, alle Parteien darüber zu informieren, wie wichtig das friedliche Zusammenleben ist und jeder Partei das Gefühl zu geben, dass Österreich UNSERE Heimat ist und niemand irgendwelche Privilegien genießen darf, die zur selben Zeit, dem anderen unzugänglich gemacht werden.

 

Jede Form von Rassismus und menschenfeindlicher Handlungen ist schärfstens zu verurteilen. Leider deuten die letzten Entwicklungen aber genau in jene Richtung, vor welcher wir uns alle hüten sollten.

So bestätigt beispielsweise Wolfgang Benz, Historiker und Soziologie, dass die Ausgrenzungsmechanismen die heute gegen MuslimInnen praktiziert werden, dieselben sind, unter denen damals Juden leiden mussten:

 

"Ab dem 18. Jahrhundert war es eine beliebte Methode, Juden auszugrenzen, indem irgendwelche "Experten" sagten, im Talmud stünden furchtbare Sachen. Diese religiöse Judenfeindschaft wurde dann abgelöst durch die rassistische. Da waren es die Gene, welche die Juden vermeintlich zum Bösen geführt haben. Heute gibt es einen Experten, der in Büchern behauptet: Ein Christ, der Gewalt ausübt, macht sich vor seiner Religion strafbar, ein Muslim aber, der keine Gewalt ausübt, macht sich in seiner Religion strafbar. Dabei beruft er sich auf den Koran. Was früher Talmud-Hetze war, ist jetzt Koran-Hetze. Man stigmatisiert eine Minderheit als gefährlich, weil es ihr angeblich die Religion befiehlt."

 

Auch die Übergriffe auf muslimische Passantinnen, das Überkleben der Schilder des islamischen Zentrums in Wien, das Sprayen von Parolen wie "Kill all Muslims", welche an die derzeitigen Übergriffe auf Juden in Ungarn erinnern, sprechen eine ähnliche Sprache; eine Sprache, die unsere Vorfahren schon mal erleben mussten und die wir auf keinen Fall hier in UNSEREM Österreich und in UNSEREM Europa jemals wieder sprechen möchten.


Quellen:

http://derstandard.at/2000006304947/Was-frueher-Talmud-Hetze-war-ist-jetzt-Koran-Hetze

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141002_OTS0232/der-standard-kommentar-gut-oder-gut-gemeint-von-gudrun-harrer

In Gedenken an den 14.8.2013

Wien, 14.8.2014

Kaum ein Tag vergeht, ohne, dass wir mit erschütternden Nachrichten aus aller Welt konfrontiert werden. 

Unterdrückte Minderheiten, verfolgte Gruppierungen, Genozide und Rassendiskriminierungen prägen unsere Wahrnehmung der Ereignisse im Ausland. 

Nichts ist dabei so traurig, wie das Schicksal, welches Angehörige erleiden müssen, wenn ihre Geliebten von ihnen gehen.

Ganz gleich ob in Palästina, Syrien, Lybien, Irak oder Ägypten, Gewalt, vollkommen unabhängig davon gegen wen sie angewendet wird oder von wem sie praktiziert wird, ist inaktzeptabel und auf das Schärfste zu verurteilen. Sie stürzt uns lediglich weiter in einen Strudel voller Hass, Trauer und Leid. 

Denn "Der alte Grundsatz "Auge um Auge" macht schließlich alle blind." - 

Martin Luther King

Heute, am 14.8, erinnern wir uns jedoch an ein prägendes Ereignis der ägyptischen Geschichte, ja gar der Weltgeschichte. Eines der brutalsten und blutigsten Massaker unserer Zeit. Vor genau einem Jahr kamen bei einem beispiellosen Akt der Gewalt rund 1000 Ägypter und Ägypterinnen am Rabia al-Adaweya Platz in Ägypten um...ermordet von Kriminellen, die am laufenden Bande Verbrechen gegen die Menschheit begehen und den ägyptischen Thron nur mit Hilfe der angehauften Leichen erklimmen konnten... ein Thron, der mit ägyptischem Blut beschmutzt ist...

Wir trauern um die mutigen Ägypter und Ägypterinnen die vor einem Jahr ihr Leben im Kampf für Freiheit und Demokratie, für Anstand und Ehre, sowie für ein Recht auf Selbstbestimmung, auf dem Rabia Platz gelassen haben. Ebenso trauern wir um die Angehörigen der Opfer der Jänner-Revolution, sowie um all jene, die auf einem steinigen Weg die Hoffnung niemals aufgegeben haben und an ein besseres Ägypten geglaubt haben. 

Wir verneigen uns vor ihnen und bitten sie um Vergebung, da wir ihren Weg nicht fortgesetzt haben.

Wir gedenken heute den gefallenen Ägyptern und Ägypterinnen, wir gedenken all jenen, die ihr Leben gegen die Unterdrücker dieser Welt gelassen haben und sind in Gedanken bei jenen, die auch heute noch Tag für Tag unter der Gewalt verschiedenster Gruppierungen leiden, nicht nur in Ägypten.

Mögen sie alle in Frieden ruhen und möge Gott jenen die weltweit um ihr Überleben kämpfen, Kraft und Ausdauer schenken...auf dass wir eines Tages, in einer besseren Zeit, die Köpfe senkend, zurückblicken, wissend, dass diese Zeiten vorbei sind.