Vortrag: "Daham statt Islam"- Zu den Wirkungen rechtspopulistischer Wahlwerbung

Vortragender: Dr. Jörg Matthes
Vortragender: Dr. Jörg Matthes

LINK zur Aufzeichnung des Vortrags

 

Was versuchen uns Wahlwerbeplakate mit ihren teilweise sehr niveaulosen und

feindseligen Bildern und Slogans mitzuteilen und was machen diese mit uns? Sind wir als bewusste Vertreter, bestimmter konventioneller Weltanschauungen für

solche Werbung wirklich unzugänglich?

 

Über jahrelanger, gründlicher Studien und Experimente zum Thema

rechtspopulistischer Wahlwerbung, hat Werbeforscher Dr. Jörg Matthes sehr

interessante Ergebnisse bzw. Konklusionen ziehen können:

 

Bilder sagen was in Worten nicht zumutbar ist

Viele Wahlkampagnen, bedienen sich mit ihren Slogans und Bildern, sehr gezielt rassistisch motivierter Weltanschauungen, die argumentativ, in der Öffentlichkeit

kaum vertretbar wären oder zumindest keine sehr hohe Akzeptanz genießen könnten.

“Wenn man eben etwas zeichnet, oder ein bestimmtes Bild, eine bestimmte Situation, grafisch illustriert, kann man praktisch sagen was man will, ohne jemanden zu beleidigen… würde ich den Inhalt dieses Bildes versuchen in Form von Sätzen

wiederzugeben, wäre es einfach zu extrem.. Das Denken würde sich beim Lesen eines Textes einschalten und man würde sich sehr konzentriert mit dem Inhalt der

Argumentation auseinandersetzen und eine kritischerer Haltung einnehmen,

wohingegen man ein Bild unbedacht aufnimmt und verarbeitet…” meint der

Werbepsychologe.

 

Angst schaltet das Denken aus

 

Bei Wahlwerbungen wird meist eine künstliche Dualität, zwischen dem Betrachter und einem vermeintlichem Feindbild, einem “Sündenbock” hergestellt und im

weiteren eine einfache Lösung angeboten, mit der der Betrachter einen einfachen Ausweg aus der Bedrohung erfahren würde.

Hinzukommt das Bilder, im Gegensatz zu einer “konstruierten” geschriebenen Argumentation, einen gewissen Wahrheitsgehalt aufweisen, da sie einen “wahren” sinnzusammenhängenden Inhalt suggerieren, der schnell wahrgenommen und

gespeichert wird.

 

Bilder, so Dr. Jörg Matthes, werden im Unterbewusstsein mit Gefühlen gekoppelt, in diesem Fall wird darauf abgezielt durch die ständige Wiederholung im Betrachter, eine Angstreaktion auszulösen, die, wie aus der Angstforschung bekannt, den Anreiz gibt sich neuen Informationen und Argumentationen dieser Angstquelle zu öffnen,

sich im weiteren den Lösungen der werbenden Kampagne anschließen zu wollen.

 

Weniger Bildung- manipulierbarer?

 

In den Studien von Dr. Jörg Matthes wurden bei den Versuchsgruppen, abhängig vom Bildungsgrad der Befragten in zwei Gruppen unterschieden: Matura und

Universitätsabschluss.

Diesen wurden nach Zufallsprinzip, rein texterische Slogans, schwach

emotionalisierende Bilder und stark emotionalisierende Bilder vorgelegt und das Ergebnis war verblüffend:

 

Bei den Befragten mit Matura, war ein deutlicher Anstieg ihrer negativen Einstellung gegenüber den vorgelegten Bildern zu vernehmen, die Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad hatten im Verlauf der Befragung durch die Wiederholung der Bilder ihre Einstellung also intensiviert, wobei sich bei Menschen mit einem höherem

Bildungsgrad sehr wenig bis gar nichts getan hat.

 

Es lässt sich daraus also verstehen, ohne natürlich pauschalisieren zu wollen, dass Menschen mit weniger Bildung, eine höhere Bereitschaft aufweisen, sich von

Werbungen beeinflussen zu lassen, wobei speziell bei diesem Thema auch angefügt werden muss, dass Menschen mit niedrigem Bildungsgrad mit den selben

Angelegenheiten hinsichtlich Berufserwerb, etc. zu kämpfen haben wie Zugewanderte und diese demnach für sie eine wahrnehmbare Problematik im Wettbewerb darstellen, wobei auf Akademikerniveau diese Problematik gar nicht wahrgenommen wird.

Man könnte deshalb meinen es bestehe bei den weniger gebildeten Menschen auch eine höhere Bereitschaft, ein klares Feindbild zu entwickeln.

 

Explizite Einstellung- Implizite Einstellung

 

Man unterscheidet in der Psychologie zwischen expliziten Einstellungen, welche bewusst und offen ausgesprochen werden wo hingegen implizite Einstellungen nicht

ausgesprochen werden und oft auch nicht bewusst als zusammenhängende

Einstellung vom Betroffenem wahrgenommen wird, sich eher mehr nur durch

spontane Reaktionen auf bestimmte Situationen im Alltag manifestiert ( Setze ich mich neben einem Ausländer, oder einer alten Frau in der Straßenbahn?- Spontane

Entscheidung- Implizite Einstellung)

 

Bei Studien mit deutlichen Fragestellungen zu einem bestimmten Thema, kann man keine Informationen über die unterbewusste, also implizite Einstellung.

Hierfür sind nämlich andere, raffiniertere Methoden notwendig, die über bestimmte Assoziationskoppelungen, feststellen oder zumindest sehr realitätsgetreu abschätzen können welche Tendenzen die betroffene Person, implizit nahesteht.

 

Wechselwirkende Feindseligkeit

 

Man trifft in der Öffentlichkeit immer wieder auf sehr klischeeartige und bestimmte Bevölkerungsgruppen ansprechende, Slogans wie “Daham statt Islam” , “Maria statt Sharia” und ähnliches. Irgendwann bewegt man sich klarerweise in einem Umfeld

indem es den Eindruck macht, dass solche Aussagen hierzulande scheinbar legitim sind oder zumindest einen nicht unwichtigen Bestandteil des österreichischen

Kulturgutes widerspiegeln. Die Plakate hängen überall und offensichtlich tut niemand was dagegen- so könnte man meinen.

 

Wir wissen natürlich, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, dennoch ist ohne weiterem kritischem Denken, eben das das Ergebnis des geschürten Hasses zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen, so auch die Meinung einiger Diskussionsbeteiligter.

 

Lösungen..?

 

Die Illustration bzw. bildnerische Veranschaulichung bestimmter Szenarien und ähnliche unterschwellige oder weniger unterschwellige Botschaften diverser

Wahlkampagnen sind eines von vielen Instrumenten in der Herausbildung

vertretbarer, öffentlicher Meinungen.

Als Teil einer bestimmten Bevölkerungsgruppe oder selbst als einzelnes Individuum hat man einen nicht zu unterschätzenden Einflussbereich, kann demnach mit

einfachen Worten diesem geschürten Spiel ein Ende setzen.

Eine offene Kommunikation, eine Unbefangenheit mit diesen Thematiken umgehen zu können, würde die Arbeit vieler dieser Wahlkampagnen zunichtemachen, dennoch dürfen wir nicht zusehen, wie das Bild der österreichischen Öffentlichkeit mit solch

anmaßenden Slogans beschmutzt wird.

 
-von Mohamed Mabrouk