Podiumsdiskussion: "Rechtsruck in Europa- Ist der soziale Zusammenhalt in Gefahr?"

Am 14. November lud die Ägyptisch- Österreichische Jugend zu einer Podiumsdiskussion zum Thema: "Rechtruck in Europa- Ist der soziale Zusammenatl in Gefahr?"


Es diskutierten:

  • Mag.a Ulrike Lunacek, Die Grünen, Vizepräsidentin des EU-Parlaments
  • Dr. Thomas Schmidinger, Politikwissenschaftler und Gründer des "Netzwerks für sozialen Zusammenhalt"
  • MA. Moussa Al-Hassan Diaw, Pädagoge und Mitglied bei der FEU (Foundation for Ethnic Understanding)
  • Hannah Lichtenberger, "Offensive gegen Rechts"

Resultat war eine überaus spannende Diskussion deren Videoaufzeichnung ihr hier anschauen könnt.

Die wichtigsten Statements des Abends:


Mag.a Ulrike Lunacek:

"Mit Besorgnis beobachte ich das Wachsen von rechts-extremen und rechts-populistischen Gruppierungen im Europaparlament. Sie sind geprägt von rassistischen, anti-muslimischen und/oder anti-semitischen sowie homophoben Haltungen, sei es gegenüber Roma, Musliminnen und Muslimen, jüdischen MitbürgerInnen, Lesben, Schwulen, bi- oder transexuellen Menschen. Immer mehr Rückhalt gewinnt erschreckenderweise auch eine aggresive Anti-Europa-Stimmung in vielen Mitgliedstaaten. Über diese Entwicklung bin sehr beunruhigt, weil für mich Europa als Symbol und Garant für Frieden, Freiheit und Menschenrechte steht.

Eines steht für mich fest: Ich und wir Grüne, in Österreich und in Europa, werden uns in allen Politikfeldern gegen jene Tendenzen stellen, die unser gemeinsames Europa und seine Grundwerte in Frage stellen. Gleichzeitig brauchen wir ein sozialeres Europa, um den extremen Gruppierungen und Parteien den populistischen Wind, der sie voranträgt, aus den Segeln zu nehmen. Mehr sozial, mehr demokratisch und mehr ökologisch muss dieses Europa werden, damit dieses Europa auch künftig unser Zuhause bleibt und alle Menschen gleichberechtigt darin leben können."

Dr. Thomas Schmidinger:

"Die Abschließung in identitäre Wir-Gruppen unterschiedlicher Art (Rechtsextreme, Jihadisten usw.) hat auch mit der multiplen Krise zu tun in der wir uns befinden. Verunsicherung kann mit neuen Solidaritäten aufgelöst werden, kann aber auch dazu führen, dass man sich zu räuberischen Kollektiven zusammenschließt um anderen solchen Kollektiven möglichst viel abzujagen. Insofern sind die Ursachen für die Hinwendung zum Rechtsextremismus ähnlich, wie die Ursachen für die Hinwendung zu neo-salafitischen oder jihadistischen Gruppen. Wenn man sich die Wahlergebnisse ansieht, fällt aber auch eine Geschlechterdifferenz auf. Offenbar führt diese Verunsicherung v.a. bei jungen Männern dazu, dass sie sich nach rechtsextremen Weltbildern, klaren Feindschaften usw. sehnen. Rechtsruck hat deshalb auch etwas mit Männlichkeitsbildern und Geschlecht zu tun."

MA. Al- Hassan Diaw:

"Jede Form des politischen Extremismus, egal welcher Weltanschauung er sich bedient gefährdet am Ende den sozialen Zusammenhalt"


Hannah Lichtenberger:
"Die Offensive gegen Rechts thematisiert in ihren Texten und mit ihren Aktionen immer wieder auch antimuslimischen Rassismus, insbesondere auch jenen der FPÖ. Antimuslimischer Rassismus spielt für die FPÖ vor allem seit 2005 und dem Machtwechsel innerhalb der Partei eine Rolle. Um sich von dem alten Kurs zu unterscheiden und auch, um breitere Teile der Bevölkerung zu erreichen setzt die FPÖ heute vor allem auf antimuslimische Hetze. Dies gelingt ihr besonders durch die Thematisierung von sozialen Problemen, die sie rassistisch umdeutet. Es braucht daher starke und kämpferische Stimmen, die Antworten auf soziale Probleme geben ohne diese rassistisch einzubetten. 

Als Offensive gegen Rechts versuchen wir nicht nur die Verbindung der FPÖ zu Rechtsextremen und deutschnationalen Burschenschaften aufzuzeigen, sondern die FPÖ auch da anzugreifen, wo sie ihre Stärke hernimmt. Am 30. Jänner werden wir erneut ein lautes Zeichen gegen Rechts, Rechtsextremismus und Faschismus setzen, in dem wir gegen den FPÖ-Burschenschafterball mobilisieren und zeigen, dass ein solches rechtes Vernetzungstreffen nicht unwidersprochen in der Wiener Hofburg stattfinden kann."


Wir danken allen Anwesenden und unseren hochkarätigen Podiumsgästen und freuen uns auf das nächste Mal!