"Joy of Eid"- Ramadanfest Geschenkeaktion, 18.Juli 2015

Ob Weihnachten oder "Eid-ul-Fitr"/Ramadanfest, Kinder lieben Geschenke. Mit Ende des diesjährigen Fastenmonats Ramadan sollten auch Flüchtlingskinder etwas haben, worauf sie sich freuen können. 

 

"Was haltet ihr davon, wenn wir sowas wie 'Weihnachten im Schuhkarton' für die Flüchtlingskinder machen, ihr wisst schon, Geschenke und Süßigkeiten und so?". Wenn man so will, war das der "Geburtssatz" der gesamten Aktion. Eine Freundin schlug also vor, dass wir doch Spielzeug und Leckereien schön einpacken könnten und diese dann zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, an die Kinder in unterschiedlichen Flüchtlingsheimen überreichen könnten. Praktisch ohne Denkpause und ohne groß zu planen machten wir uns ans Werk, was sollte man hier auch groß überlegen?

 

Vorbereitung

Über private Freundeskreise organisierten wir Geldspenden und Spielzeug, besorgten meterweise durchsichtiges Geschenkpapier und Maschen, kauften Süßigkeiten und weiteres Spiel-und Malzeug ein und trafen uns zu mehrstündigen Einpack-Sessions. 

Innerhalb kürzester Zeit wurden über 300 Päckchen fertiggestellt und zugegeben, wir waren schon etwas neidisch auf die Kinder. Stofftiere, Autos, Malbücher, Stifte, Lego, Spieltürme und jede Menge Süßigkeiten. Es war ein ganz besonderes Gefühl, mehrere Stunden täglich diesem Projekt zu widmen. Die Zeit verging nicht nur irsinnig schnell, sondern wir wussten auch, wie glücklich die Kinder darüber sein würden und malten uns schon strahlende und lachende Gesichter aus. 

Das Verteilen

Nach einigen Anrufen wussten wir auch schon, wo die fertigen Päckchen hinkommen sollten. Traiskirchen stand zu dem Zeitpunkt im medialen und gesellschaftlichen Fokus und es sollte andere Geschenkeverteilaktionen dort geben, weshalb wir uns prompt für drei andere Asylheime entschieden haben: Zinnergasse, Unterwaltersdorf und Horn.

 

Als 18.Juli um etwa 10 Uhr in der Zinnergasse ankamen, sahen wir bereits einige Kinder im Freien rumlaufen. Wir versuchten sie zusammenzurufen, was jedoch nicht auf Anhieb funktionierte. Als wir dann eine Gruppe fanden und auch einigen Eltern von unserem Vorhaben erzählten, geschah alles praktisch von allein. Wir wurden (glücklicherweise) überrannt. Die Freude stand ihnen ins Gesicht geschrieben und wir hatten schon unsere Zweifel, ob sie nicht auch gleich unser Auto, welches als Transportmittel diente, mitnehmen würden.

Nach einer kurzen Zwischenstation und einer Erholungspause ging es schon Richtung Unterwaltersdorf. Im dortigen Hotel sind etwa 100 Flüchtlinge untergebracht. Mit einigen anderen Jugendlichen und der "Jugend der Liga Kultur" trafen wir uns dort um 17 Uhr, um mit dem Hauptverantwortlichen alles zu besprechen. Insgesamt waren die Flüchtlinge in drei Häusern untergebracht. Unser Timing war genau richtig, sollten doch um 18:00 sämtliche Flüchtlingsfamilien zum Abendessen kommen. Wir organisierten rasch einige Stationen im Essensraum und verteilten Aufgaben. Die JLK war mit vielen Süßigkeiten und alltäglichen Gebrauchsgegenständen gekommen und wir hatten noch zahlreiche Geschenke für die Kinder mit und so entstanden mehr als sechs Stationen wo an Flüchtlingsfamilien, je nach deren Größe, unterschiedliche Gegenstände ausgeteilt wurden. Anhand einer Liste konnten wir genauestens verfolgen, welche Familien (Hausnummern) noch leer ausgegangen waren. Als gegen Ende noch einige wenige Familien noch nichts erhalten hatten, klopften wir einfach direkt an den Haustüren an.

Die letzte Station sollte am 19.Juli 2015 Horn werden. Im dortigen Asylantenheim waren etwa 100 Flüchtlinge untergebracht worden, von denen etwa 30-40 Kinder und Jugendliche waren. 
Nach einem kurzen Abstecher zum Straßenfest in Horn, welches für die Flüchtlinge organisiert wurde, erfuhren wir, dass diese schon in ihrem Heim zurück wären, also fuhren wir mit den übriggebliebenen Geschenken dorthin. Eine Änderung sollte es jedoch geben. Anstatt die Geschenke auszuteilen, entschlossen wir uns dazu, die Kinder einfach ihr Geschenk selbst auszusuchen zu lassen. 
Unten angekommen reichte ein "Schick deine Kinder runter" und schon waren die Massen angeströmt gekommen.

So schnell konnten wir gar nicht schauen, da war schon alles weg. Schon beginnen die ersten Tausch-und Handelsgeschäfte unter den Kindern. Wichtig war uns, dass alle etwas bekommen und das war glücklicherweise auch der Fall. Die einen hatten Glück und kamen gar mit vier und mehr Geschenken wieder nach Hause. Mit dem letzten Geschenk machte sich eine Erleichterung zwischen uns breit, die wir in dieser Form noch gar nicht kannten. Wir wussten, dass die lachenden Gesichter der Kinder, unser Lohn sein würde. Wir wussten, dass jede investierte Minute und jeder Tropfen Schweiß (von denen es bei dem Wetter sehr viele gab) es wert sein würde und wir lagen vollkommen richtig.
So richtig, dass wir uns kurzerhand dazu entschlossen, dass diese Aktion keine einmalige Geschichte sein sollte... Und genau aus diesem Grund sehen wir uns nächstes Jahr wieder und das darauf ebenso und auch das Jahr darauf.