ADYFE- African Diaspora Youth Forum in Europe 2015

Delegation der Ägyptisch-Österreichischen Jugend
Delegation der Ägyptisch-Österreichischen Jugend

„Alone we go faster, together we go farther“

Von 9. Bis 10. Juni 2015 hatte eine Delegation der Ägyptisch-Österreichischen Jugend die außergewöhnliche Gelegenheit am „African Diaspora Youth Forum in Europe“ zum Thema „Unlock Youth Potential: Employability and Entrepreneurial skills for Development“ im Vienna International Center teilzunehmen. Diese Konferenz wurde von VAS Österreich (Association of African Students in Austria) und ADYNE (African Diaspora Youth Network in Europe) in Zusammenarbeit mit UNIDO (United Nations Industrial Development Organisation) organisiert und umfasste zahlreiche Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops, die sich mit den Problemen der afrikanischen Jugend in der Diaspora beschäftigten und Möglichkeiten analysierten, wie diese Jugend ihr hohes Potential nutzen könnte, um zur nachhaltigen Entwicklung Afrikas beizutragen.

 

Eindrücke von der Konferenz

Der erste Tag der Konferenz widmete sich Vorträgen zahlreicher beeindruckender Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, unter ihnen Botschafter_innen, Minister_innen, Parlamentarier_innen, Gründer_innen erfolgreicher Unternehmen, sowie Vertreter_innen wichtiger internationaler Organisationen und Jugendnetzwerken.

 

Zu Beginn wurden die Teilnehmer_innen mit der Tatsache konfrontiert, dass weltweit über 70 Millionen Jugendliche arbeitslos sind, was einen ungeheuren Verlust an Potential darstellt und die wirtschaftliche Entwicklung, besonders in Afrika, behindert. Anatole Collinet Makosso, Minister für Jugend in der Republik Kongo, betonte welch entscheidende Rolle die im Ausland lebende Jugend in diesen Zusammenhang spiele. Jedes Jahr schicke sie Geldbeträge in Millionenhöhe an Familie und Freunde in Afrika wodurch die Wirtschaft in den verschiedenen Ländern angekurbelt werde. Weiters rief Makosso sie dazu auf, der Welt zu beweisen, dass ihr Kontinent keine Belastung mehr sondern ein gleichberechtigter Partner für den Westen sein könne.

 

Natürlich sind aber auch Staaten dazu angehalten einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in finanziell benachteiligten Ländern zu leisten. Günther Schall, Referatsleiter für Wirtschaft und Entwicklung ADA (Austrian Development Agency), berichtete von einigen Projekten seiner Agentur, in denen Unternehmer gefördert werden, da der private Sektor durch Schaffung von Arbeitsplätzen ein Hauptakteur in der wirtschaftlichen Entwicklung ist.

 

Petra Bayr, Mitglied des österreichischen Parlaments, gab einen Einblick darüber welcher Beitrag zur weltweiten nachhaltigen Entwicklung auf internationaler Ebene geleistet wird. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden 17 „Sustainable Development Goals“ entworfen, die im September der UN Generalversammlung vorgelegt und vermutlich bis 2030 erreicht werden sollen. Beispielsweise sieht Ziel Nummer 8 vor, ein umfassendes, nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern und angemessene Arbeitsplätze für alle zu schaffen.

 

Botschafterin Yvonne Khamati aus Kenia brachte einen überaus wichtigen Punkt zur Sprache: Afrika exportiert wertvolle Rohstoffe wie Kaffeebohnen oder Teeblätter die später im Ausland weiterverarbeitet werden, nur um dann beispielsweise unter dem Namen Néscafe oder English Earl Grey wieder zurück nach Afrika importiert zu werden. Die fertigen Produkte sind allerdings oft zu teuer für den Durchschnittsbürger. Stattdessen wäre es wünschenswert mit finanzieller Hilfe der Diaspora eigene Projekte auf die Beine zu stellen, bzw. nationale Produktionsstätten zu fördern.

 

Muna Mohamud Mohamed, senior advisor des somalischen Premierministers schilderte auf beeindruckende Weise ihren persönlichen Werdegang. Vor Jahren war sie selbst ein Teil des ADYNE Netzwerks, denn sie wurde zwar in Mogadischu geboren wuchs aber in Großbritannien auf. Sie empfand London als eine kosmopolitische Stadt und fühlte sich sehr wohl und nicht diskriminiert. Mit der Zeit begann sie sich allerdings immer mehr für Somalia zu interessieren und entwickelte den Wunsch dort etwas Positives zu bewirken. Obwohl Freunde und Familie ihr davon abrieten, entschloss sie sich dazu zurück nach Somalia zu gehen. Anfangs war sie geschockt über die schlechten Lebensumstände der Menschen vor Ort, jedoch gleichzeitig beeindruckt von der Lebendigkeit der neuen Stadt und ihrer Einwohner. Trotz vieler Hürden und Schwierigkeiten hatte sie mit ihrem Vorhaben Erfolg und arbeitet nun für die somalische Regierung. In ihrer Rede gab sie denjenigen, die mit dem Gedanken spielen ebenfalls in ihre Heimatländer zurückzukehren, wertvolle Ratschläge: Oft entstehen Spannungen zwischen den Einheimischen und den Zurückgekehrten wenn letztere versuchen ihnen ihre Meinungen und Überzeugungen aufzuzwingen. Daher ist es wichtig, möglichst viel über die lokalen Gepflogenheiten zu lernen und offen für andere Ansichten zu sein. Außerdem sollte man sich organisieren, da eine Gruppe mehr erreichen kann als der Einzelne, und sein Wissen weitergeben damit auch nach einer eventuellen Rückkehr nach Europa ein langfristiger Erfolg der unternommenen Anstrengungen gewährleistet ist. Bei alledem ist Geduld eine unerlässliche Charaktereigenschaft.

 

Der zweite Tag der Konferenz bestand aus acht verschiedenen Workshops, in denen die Teilnehmer Gelegenheit hatten über konkrete Problemstellungen zu diskutieren und sich aktiv einzubringen. Themen waren unter anderem die Bildung von Netzwerken und die Gestaltung ihrer internen Strukturen, die Analyse von Geschäftsideen, strategisches Denken und Planen sowie Reflexionen über die Möglichkeiten, die der afrikanischen Jugend in der Diaspora offen stehen.

 

In den daraus resultierenden Debatten wurden auch aktuelle Probleme angesprochen, wie beispielsweise Rassismus und die mangelnde Akzeptanz gegenüber Migranten in Europa bzw. gegenüber Jugendlichen die bereits in Europa geboren wurden. Da dies teils durch eine überwiegend negative Darstellung in den Medien verursacht wird, wurde als möglicher Lösungsansatz eingebracht, sich für eine positivere Berichterstattung einzusetzen oder Bildungsprogramme an Schulen zu unterstützen.

 

Neben ihrer anregenden inhaltlichen Gestaltung, war die Konferenz selbstverständlich auch eine ideale Plattform, um sich mit Jugendlichen aus der ganzen Welt zu vernetzen und überaus interessante Bekanntschaften zu schließen. Die wertvollen Erfahrungen, die die Teilnehmer sammeln konnten lassen sich am besten mit zwei Zitaten aus den Podiumsdiskussionen zusammenfassen:

 

„Alone we go faster, together we go farther“

 

„Do not expect change if you’re not part of it, be the change!“